Katamari Damacy Reroll

Am 16. Dezember 2018 unter spiel

Es soll ja immer noch Menschen geben, die noch nie Katamari Damacy gespielt haben. Die tun mir leid. Es soll auch Menschen geben, die Katamari Damacy nicht mögen. Die sind mir egal. Der Gedanke, ich könnte noch einmal unwissend eine Rezension zu diesem skurrilen japanischen Playstation 2 Spiel lesen und mir sofort im Klaren darüber sein, dass ich dieses Spiel haben will, erfüllt mich sehnsüchtig mit etwas Neid. Auch wenn es in meinem Fall eine hässliche amerikanische Angelfire Webseite mit hellem Text auf dunklen Hintergrund war. Vielleicht war es aber genau das, was die bunten Screenshots in den Vordergrund gerückt hat, die mit ihren stilisierten, kantigen Objekten, die zum Großteil aneinander klebten und einen riesigen Ball formten, nicht weniger skurril wirkten als es die Beschreibung des Spiels tat.

Das Spielprinzip, mit einem Ball Dinge aufzurollen, die kleiner als der Ball selbst sind, was wiederum dazu führt, dass eben dieser Ball wächst und noch größere Dinge aufrollen kann, war exotisch genug, dass ich mir zwei bis drei Wochen immer mal wieder versuchte im Kopf auszumalen, wie sich so etwas wohl spielerisch anfühlt, während ich auf das gefühlt mit dem Boot transportierte Päckchen aus den USA wartete. Teil Eins ist damals leider nie offiziell in Europa erschienen.

Jetzt ist Katamari Damacy in HD auf der Switch und so hochauflösend, wie es der Konsole am unteren Ende des technischen Spektrums möglich ist, erschienen. Ohne nennenswerte Upgrades (geht mir weg mit Bewegungssteuerung), dafür aber auch mit allen Unzulänglichkeiten, die einem schon damals etwas Nerven gekostet haben. Etwa die Steuerung, die den Katamari, wie der Ball der alles aufrollt offiziell genannt wird, nach wie vor über zwei Analogsticks lenkt. Das ist ziemlich genau so, als würde man beide Vorderräder eines Autos unabhängig voneinander bedienen. Das ist mir nach vier vollwertigen Spielen der Reihe mittlerweile zwar in Fleisch und Blut übergegangen, könnte die eine oder andere allerdings noch immer abschrecken. Oder die Erbarmungslosigkeit, die das Spiel an den Tag legt, wenn man im Eifer des Gefechts gegen eine Wand oder gegen ein zu großes Objekt rollt und zuvor eingesammelte Gegenstände wieder abfallen und sich in der Umgebung verteilen. Das wurde ja bereits im Nachfolger stark zurückgefahren und wirkt nun im unangetasteten Zustand der Neuauflage schon etwas ignorant auf mich.

Dem entgegen steht das großartige Spielprinzip, das aus mir völlig unerfindlichen Gründen nur einmal und in Form des kleinen Geheimtipps Tornado Breakout auf der Xbox 360 kopiert wurde. Und es macht immer noch Spaß die ganzen unterschiedlichen Gegenstände, von der Reißzwecke bis zur ganzen Insel aufzurollen, die dies oft mit einen individuellen Soundfetzen kommentieren und am Ende unter den verhöhnenden Sprüchen des Königs des ganzen Kosmos mit geneigtem Haupt dazusitzen und sich zu schwören, dass wir beim nächsten Versuch eine Bestzeit, eine Rekordgröße oder alle versteckten Gegenstände aufrollen. Auch die kreativen Finessen, mit denen das eh schon tolle Grundprinzip abwechslungsreich gestaltet wurde, indem es nicht immer bloß gilt den größten Katamari zu rollen, sondern auch mal die Masse bestimmter Kategorien von Gegenständen zählt, es entscheidend ist, spezielle Objekte zu meiden, oder wir einen Ball schätzungsweise auf einen geforderten Durchmesser rollen müssen.

Keita Takahashi, der Erfinder von Katamari Damacy und Produzent der ersten beiden Teile wurde damals oft mit seinem Wunsch zitiert, Spielplätze in Städten zu bauen. Genau genommen hat er das mit Katamari Damacy längst getan. Und weil die technische Umsetzung auf der Switch nichts zu wünschen übrig lässt, ist dieses als Fan Service getarnte Remake für 20 Euro genau das Richtige, wenn die Playstation 2 bereits in den verdienten Ruhestand geschickt wurde.