Keep An Eye Out

Am 13. Februar 2019 unter film

Immer wenn ich Benoît Poelvoorde sehe, muss ich an den schrecklich guten Film Mann Beißt Hund denken, der mich damals unter dem Deckmantel der Satire mit seiner schonungslosen und gleichgültigen Darstellung von Gewalt so schockierte, dass er zusammen mit Requim for a Dream in der Schublade „Filme, die ich nie wieder sehen will“ landete. Und weil das Leben immer noch die beste Satire von allen ist, spielt Benoît Poelvoorde, der in Mann Beißt Hund mit einem Lächeln im Gesicht Frauen, Männer und Kinder umbringt, heute selektiv wahrgenommen bloß noch Rollen in vornehmlich lustigen Filmen. Und jedes Mal, wenn er in einem eben dieser Filme grinst, lacht oder böse guckt, sieht mein Gehirn ihn in Mann Beißt Hund eine Oma so lange würgen, bis dieser das Gebiss rausfällt. Kopfkino Galore.

Aktuell tat mein Kopf das während des Films Keep An Eye Out (Im Original Au Poste!). Das Kammerspiel von Quentin Dupieux (Rubber) über ein Verhör zwischen einem Kommissar und dem einzigen Zeugen eines vermeintlichen Mordes vermischt Slapstick, herrliche Dialoge und unkonventionelle Filmkunst zu einem kurzweiligen Mix von siebzig Minuten Länge. Ich mag es, wenn sich Filme im Zeitalter der Streaming Shows an deren Länge orientieren und so die Möglichkeit aufkommender Längen verringert wird. Auch sonst wirkt der Film sehr stimmig komponiert: Ein in Retrofarben getauchtes Szenenbild, eine gewollt öde Plattenbau Ästhetik und fiese Rollkragenpullover sorgen im Idealfall für ein omnipräsentes Schmunzeln auf Seiten der Zuschauer.

Französische Filme mit mindestens zwei Darstellern in überschwänglicher Pose auf den Filmplakaten lösen bei mir in der Regel keinen Guckreiz aus, aber ich bin froh, dass ich mich bei Keep An Eye Out dennoch dazu überwunden habe. Auch wenn ich schon ahnte, dass der Regisseur eines Films in dem ein Autoreifen Amok läuft, keine normale französische Komödie im Stil der Sch’tis abliefern würde.