Mein Überraschungstitel des Jahres 2018 ist Teil des Xbox Game Pass, den ich im Dezember für einen Euro erworben habe, was mir wirklich leid tut. Ich hoffe nämlich inständig, dass die Entwickler des Spiels, das freies Schleichen mit dem Kampfsystem aus (wahrscheinlich) X-Com (nie gespielt) und Into the Breach (zwei-, dreimal gespielt) kombiniert, genug Geld eingenommen haben. Sie haben es verdient. Das letzte Mal, als mich ein SRPG (wenn das mit den Feldern und den Aktionspunkten für Bewegung und Angriff denn so heißt) wirklich begeisterte ist mit Final Fantasy Tactics auf der Playstation Eins schon einige Winter her.

Umso erstaunter war ich, dass mich dieses Spiel so sehr fesselte, dass ich es für meine Verhältnisse recht zügig durchgespielt habe. Und das, obwohl ich bereits nach zwei Stunden dachte, ich komme nicht mehr weiter, weil ich mich den Gegnern nicht mehr gewachsen fühlte. Dieses Gefühl sollte mich bis zum Ende nicht mehr verlassen und dennoch habe ich es mit „taktischer Planung“ (viel Glück) und mutigem Einsatz (Hasenfußtaktik™) geschafft, Stück für Stück voran zu kommen. Die Herausforderung stieg proportional zu den Fähigkeiten meiner Truppe, nur meine Zuversicht war nie besonders hoch.

Der Clou bei Mutant Year Zero ist, dass ich mein maximal dreiköpfiges Team frei durch die einzeln anwählbaren Areale schleichen lassen kann, und die Gegend nach nützlicher Ausrüstung absuchen kann. Nähere ich mich dabei Gegnern, werde ich erst dann in einen rundenbasierten Kampf verwickelt, wenn ich ihren Sichtkreis betrete oder absichtlich einen Angeiff initiiere. Das ist dass Beste aus zwei Welten und fühlt sich wahnsinnig taktisch an, wenn ich vor dem Zuschlagen ersteinmal die optimale Ausgangsposition suche und die folgenden Aktionen dabei bereits im Kopf durchgehe. Bevor ich irgendeinen blöden Fehler mache.

Ein Grund, warum ich trotz vieler Fehler bis zum Schluss durchgehalten habe, war aber neben gefühlt 1342 Speichervorgängen allem voran die Abwesenheit von Frust. Erste-Hilfe Roboter oder Schamanen mit Jagdhörnern heben hier zwar energisch den Finger und schütteln den Kopf, aber den Hauptanteil Spaß machten bei Mutant Year Zero eben genau die Momente aus, wenn ich diese tückischeren Gegner isolierte und hinterhältig abmurkste, bevor sie ihr sadistisches Werk verrichteten und etwa Verstärkung riefen oder Tote wieder lebendig machten.

Habe ich erwähnt, dass es eine sprechende Ente gibt? Ich hätte mir diesen Text auch sparen und einfach schreiben können, dass es eine sprechende Ente gibt. Sprechende Enten sind super. Ich mochte sogar den Howard the Duck Film und bescheuerterweise habe ich damals sogar das Buch zum Film gelesen. Spätestens jetzt ist meine Credibility so weit im Keller, dass es völlig egal ist, was ich noch schreibe. Gebt Mutant Year Zero einfach eine Chance, wenn ihr auf rundenbasierte Kämpfe, schleichen und sprechende Enten steht. Es dürfte kein zweites Spiel dieser Art geben und das liegt nichtmal an der Ente.