The Hong Kong Massacre

Am 31. Januar 2019 unter spiel

Gefühlt ist es nicht einmal zwei Wochen her, dass ich das erste Mal von The Hong Kong Massacre gehört habe. Als mich der gute Redmaker drüben bei Mastodon auf den Trailer aufmerksam machte, wusste ich noch nicht, dass ich bereits vier Tage später ein ziemlich arges Schlafdefizit erfahren würde. Jetzt, da ich es durchgespielt habe, beinahe schon über meine Augenringe stolpern kann und, höchst wundersam, keinen Playstation Controller vor Wut auf dem Laminatboden des Wohnzimmers zerschmettert habe, kann ich endlich wieder ruhig und lange länger schlafen.

Und ich kann in Ruhe über die gefühlt eintausend Computergegner nachdenken, die ich in ewige digitale Jagdgründe befördert habe. Nicht ohne mindestens genauso viele virtuelle Tode gestorben zu sein. Das lag auch ein wenig an meinem Anfangsverdacht, bei The Hong Kong Massacre handle es sich spielerisch um ein Hotline Hong Kong. Also lediglich um ein Hotline Miami, aber fernöstlich angehaucht und mit einer Zeitlupen Funktion für Notfälle versehen. Genau so habe ich es anfangs gespielt und bereits nach vier von 30 Levels keine Sonne mehr gesehen und beinahe hätte ich schon den Spaß am Spiel verloren.

Bis mir klar wurde, wie The Hong Kong Massacre sein ganzes Potential entfaltet: Es gilt nicht, den richtigen Moment zu finden, in dem die Zeitlupe aktiviert wird. Es geht darum den Moment zu finden, in dem sie kurz zum Aufladen (ein bis zwei Sekunden) deaktiviert wird. Es geht nicht darum, wie bei Hotline Miami den richtigen Winkel herauszufinden und das übermenschliche Timing zu besitzen, um als Erster zu schießen. Hier geht es darum, sich kopfüber durch ein Fenster mitten in einen Pulk von Gegnern in eine aussichtslose Situation zu katapultieren, dann mit allem, was die Bewaffnung hergibt das Feuer zu eröffnen und nebenher noch herannahenden Kugeln behände auszuweichen. In Zeitlupe natürlich. All das ist einem Bullet Hell Shmup nicht unähnlich, wenn auch ohne Hell, denn die Anzahl der umherfliegenden Kugeln bleibt (zumindest in der Zeitlupe) stets überschaubar.

Und obwohl gerade die Koordination zwischen Zeitlupenmanagement (An/Aus), ballern was das Zeug hält, rechtzeitig nachladen und im richtigen Moment ausweichen einen Riesenspaß macht, proklamiert The Hong Kong Massacre genau das Gegenteil. Die uninspirierten und immer dieselben drei Herausforderungen für jedes Level lauten: eine Bestzeit schlagen (ihh!), ohne Zeitlupe zu spielen (warum!?) und eine hundertprozentige Trefferquote zu erzielen (na gut). Wo sind die verspielten Herausforderungen? Über mindestens drei Tische rutschen. Alle Gegner durch Papierwände erschießen. Mindestens einen Gegner aus dem Fenster im zwölften Stock der Kowloon Walled City befördern. Irgendwas mit Humor halt. Nein. Wir sollen das Spiel lediglich ohne Zeitlupe und auf Zeit durchspielen, was nur noch halb so viel Spaß macht.

Halb so viel Spaß hat mir auch die Musik gemacht. So gerne ich elektronische Musik mag, in Zeitlupe geballert wird im Hong Kong Kino doch seit jeher zu orchestralen Streichern, pizzicatolastigen Walzern und aufsteigenden weißen Tauben. Zu diesem Zweck habe ich mir eine kleine Playlist auf Spotify gebastelt, die aus dem Hong Kong Massaker stilecht eine Kugelballade in G Moll macht.

Und obwohl ich jetzt zwei Absätze lang gemeckert habe und ich niemals alle an die Herausforderungen gekoppelten Waffen Upgrades bekommen werde, weil ich nicht ohne die Zeitlupen-Funktionen spielen mag, gefällt mir The Hong Kong Massacre richtig gut. Nicht zuletzt, weil es mich in die Kowloon Walled City und an so schön leuchtende Schauplätze wie Sham Shui Po verschlägt. Und weil es endlich der seit zwölf Jahren überfällige zweite Teil von John Woos Stranglehold ist.

Distant Worlds: Wegpunkt #3

Am 29. Januar 2019 unter spiel elite

A freighter parked next to a settlement on a dusty planet

Gestern Abend kurz vor 22:00 Uhr landete ich meinen Typ-9 Frachter am dritten Wegpunkt der Distant Worlds 2 Expedition im Spiel Elite Dangerous. Direkt neben der verlassenen Conflux Base Site. Eigentlich wollte ich meinen Transporter mitten im Camp landen, allerdings hatte ich mich da bezüglich der Größenverhältnisse wohl etwas verschätzt. Also habe ich daneben geparkt und nun ist aus dem Gesamtbild eine schöne Star Wars The Force Awakens Referenz geworden:

“What about that ship?”
“That one’s garbage.”

Seriensofa #1

Am 24. Januar 2019 unter serie

Um mehr regelmäßige Updates mit deutlich weniger Aufwand veröffentlichen zu können, habe ich mich entschieden jeden Monat die Serien kurz und knapp zusammenzufassen, die uns aktuell gut gefallen. Willkommen bei uns zuhause auf dem Seriensofa!

Homecoming

[Prime] Unter anderem aus der Feder von Sam Esmail (Mr. Robot) stammt diese Serie mit ihren maximal 30 Minuten kurzen Episoden und einem Editing, dass unkonventioneller nicht sein kann. Zwei verschiedene Bildformate, eine dicke Vignette, handwerkliche wie digitale Ton- und Kameratricks und den schönsten Vertico-Effekt seit der Tequilaflasche in Robert Rodriguez‘ Ten Minute Cooking School.

The Romanoffs

[Prime] Die einzelnen Episoden dieser in der Gegenwart angesiedelten Anthologie-Serie haben genau einen gemeinsamen Nenner: Die Pro- oder Antagonisten sind oder geben an, Nachfahren der russischen Königsfamilie zu sein. Tolle Schauspieler, sehr unterschiedliche Geschichten, eine verstörend traurige vorletzte und ein knallender Twist in der letzten Folge.

Titans

[Netflix] Unser Guilty Pleasure sind aktuell die DC Titans um Wunderjunge Dick Grayson, der nicht mehr Batmans kleiner Robin sein mag. Ein Dutzend Superteens, obligatorische Einwegschurken, überraschend gewaltverherrlichende Action und ein hässlicher grüner CGI-Tiger. Klingt scheiße, hat aber irgendwas.

True Detective Staffel Drei

[Sky, aber bei Amazon gekauft] Irgendwie hat sich die dritte Staffel von Nic Pizzolattos True Detective heimlich an uns angeschlichen und war plötzlich da. Nach zwei Folgen schon wieder absolut großartig. Und dank Blue Ruin Regisseur Jeremy Saulnier habe ich eine tolle Trinkspiel Empfehlung für euch: Immer dann einen Schnaps trinken, wenn ein blaues Objekt in der ansonsten graubraunen Ästhetik zu sehen ist. Prost!

Hi Score Girl

[Netflix] Coming of Age Anime Serie um einen Jungen, der in den Neunzigern lieber in Spielhallen abhängt und Prügelspiele zockt, als sich auf die Schule zu konzentrieren. Der Coming of Age Teil ist eine Zumutung, die Videospiele hingegen sind gut recherchiert und mit Originalgrafik wunderschön in die Serie integriert. Und bei der Folge mit dem Neo-Geo CD ist mir bei einer Szene vor Lachen doch glatt die Cola durch die Nase geschossen.

Galactic Hub Pin (zweite Auflage)

Am 23. Januar 2019 unter illustration nomanssky

Hurra! Der von mir gestaltete offizielle Pin des Galactic Hub Projekts (der es mittlerweile sogar offiziell ins Spiel No Man’s Sky geschafft hat) ist in zweiter limitierter Auflage hier auf Etsy erhältlich. Als Bonus gibt es dieses Mal sogar noch einen United Federation of Travelers Pin im Shop, der ebenfalls aus meiner digitalen Feder stammt. Wie schon bei der ersten Auflage fließt mein Anteil wieder zurück in die Kasse des Projekts für hoffentlich weitere Pins. Danke Andy!