Signal gegen Windmühlen

Am 15. Januar 2019 unter ansage

Ich habe es nicht so mit guten Vorsätzen für das neue Jahr, aber vielleicht sucht die eine oder andere ja noch eine kleine Aufgabe und das nehme ich hier gerne zum Anlass, um noch einmal darauf hinzuweisen, dass Facebook Scheiße ist und alles, was dort angebunden ist, ebenfalls. Damit meine ich natürlich allen voran den WhatsApp Messenger. Es ist allerdings, wie ein Freund letztens passender Weise formulierte, ein Kampf gegen Windmühlen. Ich will hier auch gar nicht missionieren, ich möchte aber gerne einen kleinen Gedankenansatz niederschreiben. Facebook will Geld verdienen. Früher oder später auch mit WhatsApp. Telegram muss Geld verdienen. Threema ebenfalls. Bei allen Unternehmen sitzt jemand an der Spitze, der irgendwann sagen wird, wir müssen jetzt Geld verdienen. Und da in unserer Gesellschaft niemand einen nicht kostenlosen Messenger erfolgreich machen kann, geschieht das über Werbung oder über unser analysiertes Verhaltensmuster in Chat-Verläufen. Das interessiert die Mehrheit da draußen leider nicht die Bohne, ist aber natürlich ein weiterer Schritt in Richtung des Users als Teil einer Marketingmaschine, und was uns jetzt noch nicht stört, bedroht natürlich in Zukunft trotzdem unsere Freiheit als Individuum.

Edward Snowden hat seine Freiheit aufgegeben und sitzt für uns im Exil. Klingt dramatisch, ist aber vor allem tragisch. Und wenn ihr Snowden zum Dank auch nur einen kleinen Gefallen tun wollt, dann gebt dem von ihm empfohlenen Messenger Signal eine Chance. Gerne auch eine zweite, wenn ihr in der Vergangenheit mit Signal nicht zufrieden wart. Es hat sich nämliche einiges getan und die App ist mittlerweile nicht nur sehr schön und übersichtlich, sie hat auch alle wichtigen Features, wie Sprachanrufe, Gruppenchats, GIF Support und, und, und. Signal wird als Open Source Projekt (der Programmcode kann eingesehen werden) der Not-for-Profit Organisation Open Whisper Systems entwickelt, ist aufgrund deren Datensparsamkeit bewiesenermaßen sehr sicher und wird durch Spenden finanziert, wodurch kein Konzern dahinter irgendwann entscheiden kann, dass jetzt Geld mit unseren Chats verdient werden muss, oder dass ihr Produkt gar an Facebook verkauft wird. Mit anderen Worten: Es ist der einzige nachweislich sichere und transparente relevante Messenger da draußen.

Wenn ihr stattdessen zu Telegram geht, weil ihr dort bereits wegen Pokémon Go hineingeschnüffelt habt, da es mit den wirklich fantastischen Bot-Funktionen gut für Gruppen und deren Organisation geeignet ist, oder wenn ihr euch stattdessen für Threema entscheidet, weil dort eventuell schon die eine oder andere Bekannte von euch gelandet ist, ist das also nicht das Optimum, aber trotzdem schon eine Verbesserung gegenüber der Nutzung von WhatsApp. Wenn ihr aber wirklich auf der sicheren Seite sein wollt, weil ihr für Freiheit steht, obwohl ihr augenscheinlich nichts zu verbergen habt und euch wirklich sicher sein wollt, dass niemand euer Verhalten in Chats analysiert, und euch an anderer Stelle im Netz auf diese Weise unterbewusst mit algorithmisch generierter Werbung und Suchergebnissen manipuliert, dann installiert euch einfach Signal.

Und es ist wirklich kinderleicht. Der Beweis ist meine Tochter, die vor einigen Wochen aus der Schule nach Hause kam und zu uns meinte, dass wir WhatsApp deinstallieren müssten und doch bitte auf Signal umsteigen sollten, weil sie das nachvollziehbar in der Schule in Werte und Normen vermittelt bekommen hat. Und die ist zehn und gehört zu einer Generation, deren Welt in großer Gefahr ist, aus transparenten Nutzern und nicht aus transparenten Apps zu bestehen. Wenn ihr es also nicht für Edward Snowden tun wollt, weil euch eure Privatsphäre egal ist, solltet ihr euch trotzdem überlegen, ob ihr es nicht vielleicht der Kinder und damit einer besseren Zukunft wegen macht. Danke.

Kingdom: Two Crowns

Am 4. Januar 2019 unter spiel

Der dritte Teil der Kingdom Serie hat es nicht in meine Jahresbestenliste 2018 geschafft, weil wir ihn erst zwischen den Tagen erworben haben und das ist ein echter Fauxpas. Ich wollte ihn korrigieren, aber seit wir Two Crowns das erste Mal gestartet haben, sitzen wir ungeduscht, dehydriert und unterernährt auf unseren Shitbuckets im eigenen Sud und schämen uns nicht eine Sekunde für diesen asozialen Umstand.

Muss ich noch weiterschreiben? Na gut. Ihr seid Königin oder König hoch zu Roß auf einer zweidimensionalen Insel, die jede Nacht von links und rechts angegriffen wird. Der Tag sollte also dazu genutzt werden, Dorfbewohner zu rekrutieren, diese dann mit Waffen auszurüsten oder sie Barrikaden bauen zu lassen. Je weiter ihr die Festung ausbaut, desto mehr Möglichkeiten stehen zur Verteidigung und zum Geld verdienen bereit. Restauriert ihr ein Schiff, könnt ihr neue, schwerere Inseln erreichen, sowie bessere Fähigkeiten und neue Technologien freischalten.

Das Ganze ist aufgrund der wortkargen Natur oder wenn ihr mal nicht aufpasst spätestens auf der dritten Insel sauschwer und ich habe bereits mehrmals daran gedacht, neu anzufangen, weil ich das Ende nahen sah oder meine Kassen demotivierend leer waren. Aber irgendwie geht es immer wieder weiter und das erhabene Gefühl, die Horden wieder eine weitere Nacht abgewehrt und überlebt zu haben ist super. Solltet ihr doch mal überrannt werden, wird euch die Krone gestohlen und das Land versinkt in eine hunderttägige Armut bevor ihr euch mit neuen Regenten erneut ans Werk machen dürft.

Einen Zweispieler Koop-Modus gibt es übrigens auch und als wäre all das nicht schon Ansporn genug, das Spiel zu spielen, könnt ihr euch im Hauptmenü auch noch dafür entscheiden, dass Geschehen vom europäischen Mittelalter ins feudale Japan zu verlegen. Das Spiel ist das Selbe, aber die ohnehin schon liebevoll gepixelte Grafik macht mit Samurai und Ninja eben noch einen Ticken mehr Spaß. Kaufbefehl, wenn ihr auf Mikromanagement und 2D-Grafik steht und obendrein ein dickes Rogue-Lite Fell habt.

Mutant Year Zero: Road to Eden

Am 3. Januar 2019 unter spiel

Mein Überraschungstitel des Jahres 2018 ist Teil des Xbox Game Pass, den ich im Dezember für einen Euro erworben habe, was mir wirklich leid tut. Ich hoffe nämlich inständig, dass die Entwickler des Spiels, das freies Schleichen mit dem Kampfsystem aus (wahrscheinlich) X-Com (nie gespielt) und Into the Breach (zwei-, dreimal gespielt) kombiniert, genug Geld eingenommen haben. Sie haben es verdient. Das letzte Mal, als mich ein SRPG (wenn das mit den Feldern und den Aktionspunkten für Bewegung und Angriff denn so heißt) wirklich begeisterte ist mit Final Fantasy Tactics auf der Playstation Eins schon einige Winter her.

Umso erstaunter war ich, dass mich dieses Spiel so sehr fesselte, dass ich es für meine Verhältnisse recht zügig durchgespielt habe. Und das, obwohl ich bereits nach zwei Stunden dachte, ich komme nicht mehr weiter, weil ich mich den Gegnern nicht mehr gewachsen fühlte. Dieses Gefühl sollte mich bis zum Ende nicht mehr verlassen und dennoch habe ich es mit „taktischer Planung“ (viel Glück) und mutigem Einsatz (Hasenfußtaktik™) geschafft, Stück für Stück voran zu kommen. Die Herausforderung stieg proportional zu den Fähigkeiten meiner Truppe, nur meine Zuversicht war nie besonders hoch.

Der Clou bei Mutant Year Zero ist, dass ich mein maximal dreiköpfiges Team frei durch die einzeln anwählbaren Areale schleichen lassen kann, und die Gegend nach nützlicher Ausrüstung absuchen kann. Nähere ich mich dabei Gegnern, werde ich erst dann in einen rundenbasierten Kampf verwickelt, wenn ich ihren Sichtkreis betrete oder absichtlich einen Angeiff initiiere. Das ist dass Beste aus zwei Welten und fühlt sich wahnsinnig taktisch an, wenn ich vor dem Zuschlagen ersteinmal die optimale Ausgangsposition suche und die folgenden Aktionen dabei bereits im Kopf durchgehe. Bevor ich irgendeinen blöden Fehler mache.

Ein Grund, warum ich trotz vieler Fehler bis zum Schluss durchgehalten habe, war aber neben gefühlt 1342 Speichervorgängen allem voran die Abwesenheit von Frust. Erste-Hilfe Roboter oder Schamanen mit Jagdhörnern heben hier zwar energisch den Finger und schütteln den Kopf, aber den Hauptanteil Spaß machten bei Mutant Year Zero eben genau die Momente aus, wenn ich diese tückischeren Gegner isolierte und hinterhältig abmurkste, bevor sie ihr sadistisches Werk verrichteten und etwa Verstärkung riefen oder Tote wieder lebendig machten.

Habe ich erwähnt, dass es eine sprechende Ente gibt? Ich hätte mir diesen Text auch sparen und einfach schreiben können, dass es eine sprechende Ente gibt. Sprechende Enten sind super. Ich mochte sogar den Howard the Duck Film und bescheuerterweise habe ich damals sogar das Buch zum Film gelesen. Spätestens jetzt ist meine Credibility so weit im Keller, dass es völlig egal ist, was ich noch schreibe. Gebt Mutant Year Zero einfach eine Chance, wenn ihr auf rundenbasierte Kämpfe, schleichen und sprechende Enten steht. Es dürfte kein zweites Spiel dieser Art geben und das liegt nichtmal an der Ente.

Das vielleicht Beste aus 2018

Am 21. Dezember 2018 unter ansage serie film spiel

Ein Medien Protokoll für geschaut Serien und Filme in einem Notizbuch

Jahresendzeit ist Jahresendlistenzeit. Jedes Jahr freue ich mich, die ernstgemeinten Bestenlisten aus dem Gros an lediglich für Klicks generiertem Content herauszufiltern und die Meinungen anderer zum aktuellen ach so schlechten Film- und Serienjahr™️ zu lesen. Dann rege ich mich ziemlich schnell auf, weil jemand meinen Lieblingsfilm oder meine Lieblingsserie nicht mag und kann dann nicht mal mehr über die Menschen lachen, die Avengers: Infinity War für Filmkunst halten. Here we go again:

Filme

Immerhin 27 neue Filme habe ich dieses Jahr geschaut. Am besten haben mir vielleicht diese hier gefallen (in der Reihenfolge, in der ich sie geguckt habe):

Three Billboards Outside Ebbing Missouri

Oder wie ich diesen Film gerne nenne: Three Outstanding Performances Inside Ebbing Missouri (zum Texthäppchen).

Deadpool 2

Das Herzblut, mit dem Ryan Reynolds den Merc with a Mouth spielt und sich dabei über das gesamte MCU und Wolverine lustig macht, ist schlicht großartig. Immer noch pubertär brutal aber dieses Mal immerhin ohne das generische Drumherum des ersten Teils. So muss Popcornkino aussehen (zum Texthäppchen).

BlackKklansman

Der wichtigste Film 2018 der letzten fünf zehn Jahre und hinterlistig obendrein. Eben noch zum Weinen komisch und in der nächsten Minute traurig wie nur was (zum Texthäppchen).

A Beautiful Day

Verstörend schön und schön verstörend. Hätte auch von Nicholas Winding Refn mit Migräne am Tag einer Zahn-OP sein können. Und ja, das ist positiv gemeint.

Widows

Wenn die Hälfte der von hoch bezahlten männlich weißen Männern gespielten Figuren in den ersten fünf Minuten dahinscheidet, ist das zwar doof für die Witwen, aber dank kraftvollem Schauspiels sehr gut für das Medium Film und ein Schritt in Richtung Diversität als Normalität in Hollywood (zum Texthäppchen).

Serien

Nicht weniger als 62 komplette Staffeln haben wir dieses Jahr geschaut und vieles davon war sehr gut. Hier, ebenfalls in der Konsumier-Reihenfolge aufgelistet, meine Favoriten unter den Neuheiten:

Dark

Kam letztes Jahr zu spät um da noch von mir berücksichtigt zu werden. Ist hiermit nachgeholt. Freue mich auf deren neue Serie und natürlich auf Dark Staffel Zwei.

Seven Seconds

Tolle Serie von der Schöpferin des The Killing US-Remakes. Das fiel zum Ende ja schon etwas ab und der Kram im Gerichtssaal zum Schluss von Seven Seconds tut es ebenso. Der Rest ist aber großartig.

Happy!

Reizüberflutung, ein hässliches CGI-Einhorn und eine Meisterleistung seitens Christopher Meloni. Für mich darf es hier gerne noch ein bisschen mehr sein (zum Texthäppchen).

The Chilling Adventures of Sabrina

Meine Überraschung des Jahres. Satan, Hexen und Jeff aus Coupling. Nachdem mich dieses Jahr bereits Riverdale in dessen Bann gezogen hat, kam mir die Grusel-Atmosphäre im Archie-Universum sehr gelegen.

Tolle wiederkehrende Serien gab es auch genug: Norsemen Staffel 2, The Deuce Staffel 2, Peaky Blinders Staffel 4, Mr. Robot Staffel 3 (mit abgefahrener One-Shot Folge), Preacher, das sich mit jeder weiteren Staffel selbst zu übertreffen scheint und ganz groß die fünfte Staffel von Bojack Horseman mit der fantastischen Beerdigungsfolge.

Spiele

Die vernachlässigte Kategorie. Ich zocke nach wie vor primär No Man’s Sky und Elite Dangerous. Aber zwischendurch habe ich tatsächlich mal ein, zwei Titel gezockt, die nichts mit fremden Planeten und Raumschiffen zu tun haben.

Wizard of Legend

Tolles Couch Co-op Dungeon Crawler Rouge-like Whatever, das uns nach Strich und Faden die Grenzen unseres Können aufwies. War aber trotzdem super (zum Texthäppchen).

Mutant Year Zero: Road to Eden

Apokalypse trifft auf Schleichspiel trifft auf rundenbasierte Kämpfe trifft auf Hasenfuß-Taktik. Eine perfekte Mischung aber wichtig ist nur, dass man unter anderem eine mutierte, schwer bewaffnete Ente spielt. Eine Ente! Edit: (Zum Texthäppchen)

Shadow of the Colossus (PS4)

Klar ist das nur ein Remake. Sogar schon das Zweite. Aber was für eins! 60 Bilder pro Sekunde und komplett überarbeitete Texturen wirken extrem verjüngend und machen aus dem Playstation 2 Klassiker ein dynamisches wie atemberaubendes Abenteuer und mein verdientes Spiel des Jahres (zum Texthäppchen).

Hui.

Elite Dangerous: Beyond - Chapter Four

Am 19. Dezember 2018 unter spiel elite

Ein Typ-9 Transporter vor einem gelb leuchtenden Stern in den tiefen des Weltraums

Letzte Woche erschien mit Version 3.3 von Beyond Kapitel Vier ein weiteres großes Update für Elite Dangerous, Zeit es auszuprobieren fand ich allerdings erst jetzt. Optisch sorgen eine völlig neue Ausleuchtung und überarbeitete Texturen für noch schönere Stunden im Weltraum. Und so ergab es sich, dass ich das oben abgebildete Foto mit der Außenkamera im Spiel schoss, weil ich einen neuen Schreibtischhintergrund für mein MacBook haben wollte. Da sollte natürlich alles besonders hübsch aussehen: Hier noch eine Nuance nach Links, dort die Neigung noch etwas korrigieren, damit mein Type-9 Transporter auch schön mittig sitzt und der Zoom für den richtigen Bildausschnitt musste natürlich auch optimal eingestellt werden. Mit meinem Motiv zufrieden schoss ich zwei Minuten später endlich eine Handvoll schöner Fotos und schaltete dann zurück auf die Innenkamera. Wo mich daraufhin ein ordentliches Chaos erwartete.

Weil ich zu nah am besagten sehr schönen Stern „geparkt“ hatte, stieg die Antriebs-Temperatur meines Frachters auf über 150 Grad Celsius an. Überall qualmte es, und eine Fehlermeldung nach der anderen verkündete unheilvolle Nachrichten. Irgendwo im Protokoll muss auch „Frachtluke nicht mehr operabel, Ladung abgeworfen“ gestanden haben, denn irgendwo da draußen im Orion Arm schweben nun sechs Hutton Becher und mehrere Tonnen Hutton Mega-Gin umher, die ich eigentlich im Zentrum der Milchstraße am Colonia Außenposten verkaufen wollte. Ich habe ein Déjà-vu. Genau das ist mir bei meiner letzten Reise nach Colonia schon passiert und vielleicht füge ich mich jetzt einfach meinem Schicksal und sehe ein, dass der Becher nicht nach Colonia will. Zumindest nicht in meinen Händen.

Na ja. Hauptsache das Foto ist schön.