OlliOlli2: Welcome to Olliwood

Am 8. März 2015 unter spiel

Als jemand, der die Vierzig längst gerockt hat, falle ich nicht wirklich ins Beuteschema beider OlliOlli Teile. Teil Eins war der Grund, dass ich die Playstation Vita einmal beinahe durch das Straßenbahn-Abteil in Richtung einer Gruppe jugendlicher Skater geworfen hätte, so genervt war ich von dessen letzten Levels. Dieses Verlangen sollte sich auch später daheim, mit dem Dualshock 4, wieder einstellen.

OlliOlli war bockschwer und OlliOlli2 ist ebenfalls bockschwer. Das ist seine Bestimmung und das sollte man mögen, wenn man es spielen möchte. Aber da ist noch mehr. Denn auch wenn ich weiß, dass ich niemals auch nur im Ansatz das Gros der Pro-Level schaffe und schon bei den Amateur Aufgaben ums pure Überleben kämpfe und nicht etwa auf Style spiele und so vielleicht dreißig Prozent von dem ankratze, was dieses Spiel zu bieten hat, macht es mir doch trotzdem richtig Spaß.

Weil es immer noch gut aussieht und mit den tollen Animationen aus dem Retro-Brei heraussticht. Weil Skaten immer noch eine tolle Vorlage für Videospiele ist. Weil hier die Liebe zum Detail unverkennbar ist. Und weil es eben ein richtig erhabenes Gefühl ist, wenn ich nach gefühlt fünfzig Versuchen eine Aufgabe doch noch schaffe. Auch, wenn das vielleicht erst einen oder zwei Tage später funktioniert.

Ein bisschen schade finde ich die Tatsache, dass ich bei Teil Zwei, wie schon bei Teil Eins nie das Gefühl hatte, mit dem optimalen Steuergerät spielen zu können. Als Teil der Neo Geo Generation, wenn ihr mir diesen Pleonasmus erlaubt, bin ich es gewohnt, zweidimensionale Spiele, die genaustes Geschick und hohes Reaktionsvermögen erfordern, mit einem Arcade-Stick zu spielen. Oder zumindest mit einem Gamepad, dass sich der Qualität eines solchen Sticks annähert. Der Dualshock 3, 4 und die Playstation Vita spielen für mich nicht in dieser Liga. Jules Winnfield würde sagen, es ist nicht einmal der selbe Sport.

Und jetzt kommt Street Fighter für die Playstation 4 ins Spiel. Warum? Weil jeder Release dieser Serie eine Handvoll sehr gute, offizielle Gamepads, sogenannte Fighting-Pads hervorbringt, die meistens von der Firma Hori sind und grob auf dem Design des alten Saturn Pads basieren. Und das war damals perfekt. Die wären auch perfekt für OlliOlli2, wenn sie denn irgendwann erscheinen. Aber, und hier kommt der traurige Teil der Geschichte: So, wie es jetzt ausgeliefert wurde, wären diese Pads nicht zu gebrauchen, denn Teil 2 hat einfach mal so den Support des Steuerkreuzes abgeschaltet. Im Gegensatz zum Vorgänger kann ich den aktuellen Teil nur mit dem Analog-Stick des Playstation 4 Controllers steuern. Ich schätze, dass die Chance, diese Unterstützung per Patch nachzuliefern sehr gering ist. Aber wer weiß.

Bis dahin genieße ich die großartige Musik, erfülle die Pflicht, vernachlässige die Kür und drücke weiterhin die Dreiecks-Taste. Die steht für den schnellen Neustart einer Strecke und ist die Taste, die ich hier am meisten benutze. So oft, dass ich sie schon ein-, zweimal aus Gewohnheit bei sehr schwierigen Stellen gedrückt habe, obwohl ich diese noch gar nicht verbockt habe und eine ganz andere Aktion ausführen wollte. Oha.

Whiplash

Am 28. Februar 2015 unter film

Whiplash mag nicht wie Birdman, Grand Budapest Hotel oder Boyhood mit Nominierungen zahlreicher Preise überhäuft worden sein, wohl aber war dessen Hauptrolle, Terence Fletcher, gespielt von J.K. Simmons, omnipräsent in den Medien und der heißeste Remix-Artikel dieser Tage. Von College Humor und Weird Al Yankowich bis Saturday Night Live schrie und fluchte Simmons als Fletcher bis die Stühle flogen. Ich verlinke diese Filmchen absichtlich nicht, denn so ein wenig hatte ich bei Whiplash dann schon das Gefühl, dass ich ihn bereits gesehen hatte. Natürlich besteht er aus weit mehr als nur einem sehr gutem J.K. Simmons aber irgendwie bezweifle ich, dass der Rest bei mir hängen bleibt. Irgendwann ist dann alles mit einem echten Knall zu Ende, will aber einfach nicht so recht aufhören. Die Dramaturgie hängt dann durch wie das Gesicht des gewatschten Miles Teller. Nur um zehn Minuten später noch einmal voll und bis zur Ermüdung mit allem aufzufahren, was geht. Puh.

Kung Fu Jungle & The Clones of Bruce Lee

Am 21. Februar 2015 unter film

Kung Fu Film-Abende sind wellige Filmabende. Für den Einstieg wählten wir The Clones of Bruce Lee oder Die Zwillingsbrüder von Bruce Lee.

Die Story, ha, ha, sorry … das Script, ha, nee. Die To-Do Liste oder was auch immer den Ablauf dieses Streifens im Vorfeld bestimmte war sehr, sehr kurz. Und total dämlich. Bruce Lee ist tot, war FBI Agent und seine DNA wird drei frisch verstorbenen Doppelgängern injiziert, damit das FBI weiterhin was von seinem besten Mann hat. Holla. Besser wird’s nicht. Nach zwanzig Minuten haben wir nicht mehr richtig aufgepasst und gefühlt hat die Erzählung da auch aufgehört und es wurde halt bloß noch gekämpft. Jeder gegen Bruce Lee Eins, Zwei oder Drei.

Die Ausstattung des Films ist top: Verkleidete Billardtische als futuristische Laborgerätschaften und eine diabolische Karaoke-Maschine. Nein, im Ernst: Das war nichts. Warum das in zig Sprachen erschien weiß wohl niemand so richtig. Gegen dieses Machwerk wirkt Ghost Rider 2 wie ein Citizen Kane.

Der zweite Film unseres Kung Fu Abends, Kung Fu Jungle war nicht nur 35 Jahre jünger sondern auch Welten besser. Donnie Yen geht ja immer. Wenn dann der Film auch noch in jeder Szene wunderschön koloriert aussieht und dank Blu-ray mit einem Kontrast aufwartet, der die Szenen schon ein wenig surreal wirken lässt, dann macht das richtig Spaß. Hinzu kommen tolle Choreographien, ein mächtiger Action-Flow und Baoqiang Wang als krasser Serien-Killer. Passt.

Nightcrawler

Am 16. Februar 2015 unter film

That’s my job, that’s what I do, I’d like to think if you’re seeing me you’re having the worst day of your life.

Dieses düstere Zitat von Lou Bloom alias Jake Gyllenhaal im Film Nightcrawler beschreibt mein Gefühl seiner Figur gegenüber bemerkenswert gut. Ich weiß nicht, ob ich in der Vergangenheit schon einmal in der Situation war, einen Film nicht zu mögen, weil dessen Hauptfigur so ein unglaublich gutes Arschloch spielt, dass es schon weh tut. Die Unfähigkeit, Gefühle gegenüber anderen auszudrücken, ein omnipräsenter Menschenhass und ein angsteinflößender Hang zur Perfektion, der moralische Grenzen relativiert. All das macht Lou Bloom aus, aber, und das ist der Punkt, irgendwo auch Nightcrawler, denn mehr als die Figur Lou Blooms gibt es nicht wirklich. Und die hat freie Bahn. Eine Bahn, auf der weder Hügel, noch Täler, noch sonst irgendetwas in seinem Weg stehen.

Und was zum Beispiel bei einem John Wick kein Problem darstellt, weil dort mein eigenes Gehirn (gut, das von John Wick sicher auch) auf Sparflamme läuft, gleicht bei einem Film wie Nightcrawler dann doch eher einem Leerlauf mit großer Erwartungshaltung meinerseits. Aber irgendwie kommt da nichts.

The name of my company is Video Production News, a professional news-gathering service. That’s how it should be read and that’s how it should be said.

Und jetzt stehe ich da. Zwischen zwei Stühlen. Auf dem einen Jake Gyllenhaal, mit Hundeblick und einer Performance, die jenseits von Gut und Böse ist und schlicht jeden Preis verdient hätte, den es für solche Fälle gibt. Und auf dem anderen sitzt John Wick. Ebenfalls mit Hundeblick, aber im Gegensatz zu Lou Bloom mit einem Platz in meinem Herzen. Für ein strunzbrutales Action Flick. Oha.

The Interview

Am 7. Februar 2015 unter film

So langsam aber sicher haben sich die Wogen um „The Interview“ geglättet. Das hat etwas gedauert. Ich mag nie Teil dieser Wogen sein, also habe ich mit dem Anschauen des Films gewartet, bis sich alle Beteiligten beruhigt haben. Diejenigen Zuschauer, die normalerweise nichts mit Rogen/Goldberg Filmen anfangen können, die Torrent-Downloader, die für den Film eh nichts bezahlt hätten, die Neugierigen, die wissen wollten, worum es bei dieser Sache eigentlich geht und zu guter letzt noch die Rogen/Goldberg Fans, die sich auf neuen Stoff gefreut haben. Sie alle haben sich auf diesen Film gestürzt. Mitunter wie Geier und viele ihrer Schreie sind erst vor Kurzem verstummt.

Jetzt komm ich. Passt ja, denn diese Woche lief der Film offiziell in Deutschland an. Keine Frage, dass er das tut ist mehr als wichtig. Kaum ein Film hat in letzter Zeit mehr Diskussionen über Redefreiheit, Demokratie, Terrorismus und Überwachung losgetreten als ausgerechnet „The Interview”. Das ist die Macht grenzwertiger Satire und der Grund, warum es sie immer geben muss. Gerade jetzt, in den Nachwehen von Charlie Hebdo ist das ein weiteres Mal auch ein Statement.

Aber „The Interview” ist auch einfach bloß ein Seth Rogen/James Franco Film. Nie so großartig wie etwa „This is the End”, aber auch in keinster Weise mit höherem Anspruch, was das Thema vermuten lassen könnte. Es ist schlicht ein lustiger Film und etwas anderes wollte er sicher auch nie sein, bevor ein paar verblendete Halbwüchsige sich einen Spaß gemacht haben und anfingen, Sony und die Kinoketten zu bedrohen, wenn dieser Film denn gezeigt werden sollte.

Dass der Film daraufhin zuerst digital veröffentlicht wurde, ein Szenario, welches ich mir für alle neuen Filme so sehr wünsche, war auf der anderen Seite ein sehr interessantes Experiment. Eines, das dann allerdings augenscheinlich in die Hose gegangen ist. Leider. Denn mehr Publicity als “The Interview” bekommen hat, geht nun wirklich nicht und trotzdem hat man nur einen Teil der Kosten wieder eingespielt. Und die vielen Neugierigen, die sich unter anderen Umständen nie für diesen Film interessiert hätten, trieben auch noch die eigentlich dämliche, in der Gesellschaft aber fest verankerte Meta-Kritik auf undankbare 50 Prozent herunter.

Mir hat er trotzdem Spaß gemacht und genau das geboten, was ich von Anfang an von diesem Film erwartet habe. Die Fäkal-Witze hätte man für meinen Geschmack gerne etwas zurückschrauben können und irgendwo fehlte mir bei den Dialogen die Balance zwischen Seth Rogen und James Franco, der Ersteren mit seiner gnadenlos fantastischen Darstellung des niveaulosen Boulevard-Moderators Dave Skylark schlicht an die Wand gespielt hat. Vor allem in den Szenen mit Randall Park als ganz, ganz tollem Kim Jong-un.

Am Ende ist „The Interview” eben doch nur ein lustiger „Inglourious Basterds”, ohne dessen schlechte deutsche Schauspieler, aber mit gefühlt nicht weniger Gewalt und unterm Strich für mich persönlich auch weit amüsanter.