Thor: The Dark World

Am 26. Februar 2014 unter film

Meine Fresse, habe ich den ersten Teil damals gehasst. Was ich wollte, war ein Vater-Sohn-Superhelden-Kinoabend. Was ich bekam, war eine der für mich miesesten Marvel-Verfilmungen mit Alibi-3D. Ich muss mich ein wenig selbst loben, dass ich jetzt Lust hatte, mir dennoch den zweiten Teil anzuschauen. Und das, obwohl der hierzulande sofort durch seine völlig unverständliche Namensänderung von „The Dark World” in „The Dark Kingdom” negativ auffiel. Ich verdächtige da einen großen Verleih mit Hang zu Prinzessinnen und Königreichen.

Nun, meine Erwartungen waren gleich Null und das ist immer die beste Ausgangssituation. Und siehe da, Thor 2 hat mir gleich viel besser gefallen. Offensichtlich sind die unzähligen Marvel-Verfilmungen eine gute Möglichkeit aus Fehlern zu lernen. Da wäre zum Beispiel der großartige Tom Hiddleston, der als Loki endlich nicht mehr diesen blöden Helm aus “The Avengers” tragen muss. Es wird sich sogar über Totalausfälle der Marvel-Kostümierung lustig gemacht und selbst der König des schlechten Geschmacks, Thor selbst, trägt weniger Bling Bling und mehr Schwarz. Das passt zum allgemein sehr düsteren Look des Films, der optisch so ganz meinem Gusto entspricht.

Ein fester Bestandteil Marvels im Kino ist der massentaugliche Humor, der normalerweise aus Punchlines besteht. Ausgerechnet Thor zeigt jetzt, dass es (zusätzlich) noch eine Stufe besser geht. Der Garderoben-Witz ist mir die Leihgebühr des Films schon wert gewesen. Der restliche Anteil des Ohne-Hose-Slapsticks geht größtenteils auf die Kappe des Skarsgård Clan Familien-Oberhaupts und da hat man gefälligst schon aus Respekt zu lachen.

Im Finale, übrigens der Moment, vor dem ich mich in jedem Superhelden-Film am meisten fürchte, weil dort immer der CGI-Autopilot angeworfen wird um irgendwie die letzten 15 Minuten rumzukriegen, gibt es dann überraschenderweise das, was „Jumper” uns vor Jahren versprochen hat. In gut! Mir fehlen die Worte.

Nach Iron Man 3 ist Thor 2 nun der zweite Marvel-Film, der mir gefallen hat. Verrückt. Ich bin gespannt, wie sich das noch entwickelt und ich freue mich jetzt noch ein Stück mehr auf die Wächter der Galaxis.

Big Bad Wolves

Am 26. Februar 2014 unter

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  • film

An israelisches Kino komme ich selten bis gar nicht. Umso mehr gefiel mir die Aktion, den Film „Big Bad Wolves” im US iTunes Store zeitgleich zum US Kinostart leihen zu können. Habe ich gemacht. Hat sich gelohnt. Dieser Film hat eine Seele, so schwarz wie ein Stück Kohle und geniert sich nicht, trotzdem auch noch seinen Humor darin zu färben.

Im Film beobachte ich hauptsächlich drei Männer. Der eine ist Polizist, der andere Schriftsteller und Vater, der dritte ist ein mutmaßlicher Kinderschänder. Diese Dreiecksbeziehung entsteht wie folgt: Die Tochter des Vaters wurde brutal ermordet und der Polizist vereitelt durch Polizeigewalt die Beschattung des mutmaßlichen Täters. Letzterer kommt auf freien Fuß, ist für seine Umgebung von da an aber ein abgestempelter pädophiler Mörder. Der Polizist wird in Folge der Ereignisse suspendiert. Dann wird’s arg.

“Big Bad Wolves” spielt mit der Angst des Zuschauers. Bereits die handwerklich geniale Eingangsszene lässt zuschauende Eltern unruhig auf dem Sitz hin und her rutschen. Ich verrate euch was: Es wird nicht einfacher. Aber: Trotz einiger unangenehmer Folterszenen, die meiner Meinung nach gerne auch nur in meinem Kopf hätten stattfinden können, verkommt „Big Bad Wolves” zu keiner Zeit zum plumpen Torture-Porn. Diesbezüglich hatte ich nach dem Trailer große Angst. Nein, der Film überrascht hingegen mit seinen tollen Figuren und überdurchschnittlich guten Schauspielern, allen voran Tzahi Grad, eine Art israelischer John Goodmann).

„Big Bad Wolves” versetzt seine Figuren in eine Situation, die keine von ihnen realistisch zu lösen vermag. Und genauso geht es mir als Zuschauer, denn auch ich bekomme zu keiner Zeit handfeste Informationen über die Situation zugespielt. Das macht es intelligenter und dadurch ein Stück weit erträglicher als zum Beispiel „I Saw The Devil”. Es ist ein schweres, aber besonderes Filmerlebnis. Ein Kandidat für meine Jahres-Bestenliste.

Gunslugs

Am 21. Februar 2014 unter spiel

Sorsum kennt ihr nicht. Sorsum war schön. Ehrlich gesagt, kenne ich Sorsum auch nicht richtig. Ich kenne dort nur ein einziges Haus. Das der Eltern eines Freundes. Ich habe viele schöne Erinnerungen an dieses Haus, denn dort haben wir, wenn sturmfrei war, mit dem Neo-Geo gezockt, Alkohol getrunken und Zeugs geraucht. Besonders toll war Metal-Slug auf dem Neo-Geo CDZ im Combat School Modus, wo wir uns um Highscores und Auszeichnungen duellierten.

Dann kam Metal Slug 2, Teil X und naja, dann wurde es mir irgendwann zu bunt. Metal Slug entwickelte sich zu einer Parade recycelter Grafikelemente. Eine traurige Geschichte, die leider noch nicht fertig geschrieben ist. SNK Playmore melkt die Metal Slug-Kuh weiterhin so hart, dass deren leuchtender Euter eigentlich längst die PETA auf den Plan hätte rufen müssen. Erstaunlicherweise finden sie immer noch Plattformen, auf denen es irgendeinen Teil von Metal Slug vorher noch nicht gab. Respekt.

Jetzt gibt es Gunslugs für die Playstation Vita und ist erstmals nach iOS und Android in einer für mich ernstzunehmenden Liga angekommen. Und es sieht aus wie ein Metal Slug Demake. Vom Absprung am Anfang eines Level via Fallschirm bis hin zum benutzbaren (wenn auch oft sinnlosen) Panzer, weckt dieses Spiel stetig Erinnerungen an den alten Titel der Ex-Irem Entwickler.

Und das alles in wunderschön einfacher Pixel-Grafik mit einem ganz wunderbaren Chiptune Soundtrack. Es soll ja Leute geben, die das als Trend abtun und darüber meckern, dass das jetzt jeder macht. Blödsinn. Pixel-Grafik ist eine Kunst, die niemals ausstirbt und das ist auch gut so. Und als Pixel-Schieber kann ich sagen, dass es, in manchen Fällen, auch noch vieles sehr viel einfacher macht. Dieser Punkt soll nicht verschwiegen werden. Und das spiegelt sich dann eben auch im Endpreis eines Produkts wieder.

Gunslugs bekomme ich im Playstation Store hinterher geworfen. Beinahe hätte mir Sony da noch was draufgelegt. Deswegen solltet ihr dieses Spiel auch einfach blind kaufen. Dafür bekommt ihr eine tolle Highscore-Jagd und viele Ideen, die über das Originalkonzept des Run’n’Guns hinausgehen. Zum Beispiel die vielen, an Videospiel-Klassiker angelehnten, bockschweren Minispiele, die es in Gebäuden zu entdecken gibt und für die ich immer ganz klassisch ein paar Goldmünzen dabei haben muss.

Gunslugs fordert, denn ich habe von Haus aus lediglich ein Leben und sogar für die Standard-Bewaffnung ist irgendwann die Munition alle. Designfehler ahoi. Dafür gibt es neue Spielfiguren, die ich auf dem Schlachtfeld befreien und so freispielen kann. Die fangen dann jeweils in dem Level an, wo ich sie aufgespürt habe. Eine klassische Level-Auswahl gibt es also nicht. Perfekt, um sich mal eben die Vita zu schnappen, ein paar Minuten zu spielen, ausgiebig zu fluchen und die Vita dann wieder wegzuschmeißen wegzulegen.

Und natürlich kann ich am Ende meine Punktzahl mit der meiner Freunde vergleichen. Dann kommt es wieder auf, dieses kleine bisschen Combat School-Gefühl. Als säße ich in Sorsum auf dem alten Ledersofa. Hach.

TxK

Am 19. Februar 2014 unter spiel

Ich war nie der Typ Mensch, der auf psychedelische Computer-Animationen stand. Kubricks 2001 mochte ich genau bis zum Einsatz derselben. Zu Zeiten der Acid-Kultur fehlte mir das Acid im Körper. Und mit Jeff Minters Indie-Produktionen im Videospielbereich konnte ich nur solange etwas anfangen, wie die Hardware seine bunten Fantasien noch im Zaum halten konnte. Mit dem Atari Jaguar und Tempest war das vorbei. Bei seinem Visualizer für den Audioplayer der Xbox 360 lief ich erst einmal aus dem Haus und riss dem nächstbesten Passanten die Zeitung aus der Hand. Dort stand, dass die Achtziger lange vorbei waren. Komisch.

Jetzt gibt es TxK. Vom Namen her ist das wohl der traurige Versuch Tempest 2000 und 3000 chronologisch sinnvoll zu toppen und gleichzeitig hipp abzukürzen. Toll. Wie der Name jedoch erfolgreich suggeriert, handelt es sich hier ebenfalls um ein Tempest. Und mehr gibt es auch nicht. Das ist natürlich nicht schlimm, wenn man auf Tempest steht. Ich bin nicht verliebt, lasse mich aber dennoch gerne auf ein Techtelmechtel ein. Und genau da zahlt sich der Vita Port aus. Denn Sonys Kleine ist prädestiniert dafür, einfach mal ein paar Spielminuten in der Bahn, vor dem Einschlafen im Bett oder auf dem Klo einzulegen. Gerade so viel, um TxK noch zu mögen und nie lange genug, um von der Grafik Regenbogen zu kotzen.

TxK ist genau das, was ich erwartet habe: Bunt, grell und Scheißmusik. Steht der Vita sehr gut.

Super: Erreiche ich zum ersten Mal einen neuen Level, merkt sich das Spiel mein aktuelles Set, zum Beispiel die Anzahl Leben, mit denen ich diese Runde erreicht habe. Das jeweils beste Set dient später beim direkten Anwählen eines bereits gespielten Level als Startgrundlage. Es lohnt sich also, mal ein paar Runden früher einzusteigen, um für nachfolgende Level bessere Start-Sets zu erspielen. Das ist auf eine erfrischende Art und Weise so motivierend, wie etwa auf Highscore zu spielen.

Dieser Absatz ist der Musik gewidmet, über die Menschen mit der Gabe Techno-Musik zu beurteilen, jetzt wahrscheinlich Lob aus Eimern auf die Komponisten schütten würden. Dummerweise finde ich Techno zum Kotzen und möchte an dieser Stelle diskret darauf hinweisen, dass ich die Musik scheiße finde.

TxK wäre ein GOTY Kandidat. Aber nicht in diesem Jahrhundert.

Die Steuerung mit dem Analog-Stick finde ich etwas zu schwammig. Die abstrakte Mischung aus Rail-Shooter und Space Invaders spielt sich mit den Richtungstasten deutlich besser und auch hier punktet die Vita, die im Gegensatz zu den großen Brüdern ein gutes “Steuerkreuz” vorweisen kann. Etwas wirr wird es in den Bonusrunden, wenn ein Feature der Hardware genutzt wird, auf das ich bisher gut hätte verzichten können: Der Neigungssensor. Nachdem dieser schon das von mir sehr geschätzte Flower erfolgreich kaputt gemacht hat, nervt er jetzt bei TxK rum, wenn ich mit seiner Hilfe mein Schiff in den nächsten Level und möglichst zentriert durch Tore fliegen lassen soll. Das gute daran, wenn man es gelangweilt ignoriert: es kostet nur Bonuspunkte.

Davon ab sind Tempest und die Vita ein tolles Paar und die Entscheidung darauf zu setzen war goldrichtig. Und der Preis stimmt für ein nicht wenig wichtiges Stück Spiele-Kultur aus der Vergangenheit auch. Passt also.

Inside Llewyn Davis

Am 16. Februar 2014 unter film

Als ich gestern im örtlichen Programmkino mit meiner Fritz Kola Light und meiner Frau in die Sessel rutschte, um mit circa sechs weiteren Personen Inside Llewyn Davis zu einer fast schon respektlosen Zeit um 14:15 Uhr[(#footnote1) 1)] anzuschauen, wurde ich mir eines interessanten Gefühls bewusst: Ich machte mir nicht die geringsten Sorgen, dass das, was ich gleich sehen würde, nicht zwei wunderbare Stunden werden. Der Grund ist einfach. Es gibt keinen Coen-Film, den ich nicht genossen hätte. Es gibt solche und solche Filme in ihrem Repertoire, aber ich kann über keinen sagen, dass ich nicht durchgehend gut, manchmal witzig, manchmal abstrakt, unterhalten wurde. Das wünscht man sich doch im Kino.

Und natürlich musste ich mir keine Sorgen machen, denn schon Cast und Idee des Films sprachen mich voll an. Und dabei kann ich nicht einmal sagen, dass mir die Musik im Film großartig gefällt. Ich bin kein Fan von Dave Van Ronk, dessen Musik und Memoiren die Vorlage für Llewyn Davis waren und werde es auch jetzt nicht werden. Egal, denn im Film passt die Musik. Oscar Isaac spielt den schwierigen Kleinkünstler am Rand des Ruins super und gehört nach Drive (auch dort an der Seite von Carey Mulligan, die ebenfalls in Inside Llewyn Davis spielt) und dem von mir hochgelobten Sucker Punch eh zu meinen Lieblings-Schauspielern. Genau wie Justin Timberlake, mit dessen Musik ihr mich ebenfalls jagen könnt. Als Schauspieler ist er aber einfach großartig.

Ich habe ein Problem mit Biopics. Sie sind selten interessant (Hust! Dallas Buyers Club, Hust!), weil die Geschichten dahinter natürlich selten fürs Kino gemacht sind. Da lobe ich mir doch die Gebrüder Coen, die sich von den Lebensgeschichten anderer einfach nur inspirieren lassen und dann ihren eigenen Scheiß daraus machen. Und ihre kleinen Signaturen hinein puzzeln. Zum Beispiel einen jungen, noch unbekannten Bob Dylan, einen Haufen skurrile Charaktere und John Goodman. Himmel, jedes Mal, wenn ich ihn in den letzten Jahren in einem Film- oder Fernseh-Projekt sah, fragte ich mich ob er dieses Mal bei den Dreharbeiten dahinscheidet, so schlecht, wie der aussieht. Macht er natürlich auch bei Inside Llewyn Davis (fast) nicht.

Bleibt eigentlich nur noch eine Sache über, die ich mir wünschen würde: Das es dieses Mal nicht drei Jahre dauert, bis es was neues an der Coen-Front gibt! Blödsinn, ich weiß. Hetzen macht schon im Mainstream-Kino genug kaputt. Also sollen sie sich eben Zeit lassen, um mich dann bitte wieder so wunderbar zu unterhalten, wie sie es bisher immer gemacht haben. Ich warte. Danke.

Zur Ehrenrettung unseres großartigen Programmkinos muss ich sagen, dass Inside Lewyn Davis bereits vorher einige Wochen in der Original-Version zur Prime Time lief.(#reference1) ↩)