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TexthĂ€ppchen ĂŒber Bildschirmunterhaltung von Torsten.

Legion

Aus dem Archiv · serie

Der Pilot zu „Legion“, der X-Men Serie des „Fargo“ Studios FX, ist unkonventionell, mutig und zuweilen so herrlich bizarr, dass es nicht nur im Kopf des Protagonisten kracht. Das ist schon mal etwas ganz anderes als alles, was sich die Autoren fĂŒr Netflix, Fox und Disney bisher getraut haben. Kein in Selbstmitleid ertrinkender Peter Parker. Kein Wolverine, der sich isoliert, um der Verantwortung zu entgehen und andere zu schĂŒtzen. Kein Luke Cage, der eine IdentitĂ€tskrise ĂŒberwinden muss. David, der Protagonist in „Legion“, ist nach gesellschaftlichen Standards geistig gestört, gewillt das auch zu glauben und entsprechend medikamentös eingestellt.

Die daraus resultierende erste Folge hat daher auch weit mehr von einem Terry Gilliam „Twelve Monkeys“ als von einem Bryan Singer „X-Men“. Und genau das macht es so gut und wichtig. Ich sage es ganz ehrlich: Ich konnte bisher allen neueren Marvel-Produktionen trotz der generischen DrehbĂŒcher irgendwie noch etwas abgewinnen. Sogar Schnarchnase Jessica Jones. Aber zwischen dem Niveau dieser Serien und dem „Legion“ Piloten liegen Welten, so groß wie Asgard. Und ja, das sage ich als Filmfreund mit Hang zum Bizarren und ich bin mir im Klaren darĂŒber, dass die Superheldenfans dies nicht alle so sehen werden. Schließlich kommt die leicht zugĂ€ngliche (und zuweilen auch naive) Art der anderen Veröffentlichungen nicht von irgendwoher sondern entspringt deren Quelle: den Comics. Da ist es nur legitim, dass Serien und Filme das auch nachahmen. Aber es ist auch verdammt schön eine Serie zu sehen, die sich mal richtig was traut und im Genre neue Wege gehen darf. Ob sie das langfristig kann, wird sich in den nĂ€chsten Folgen zeigen.

Fakt ist, dass nur ein Pilot wie der zu „Legion“ verhindern kann, das Superheldenserien aufgrund ihres inflationĂ€ren Aufkommens in Zukunft nur noch fĂŒr die Kassen der Studios interessant sind. Etwas, das wir bei Filmen in Zeiten, in denen ein „Suicide Squad“ ohne erkennbares Drehbuch bei den Zuschauern durchfĂ€llt und mit doppelt eingespieltem Budget als Erfolg des Studios gilt, doch lĂ€ngst erreicht haben. Und wenn alles, was ich hier in meiner Euphorie schreibe, bereits mit der zweiten Folge am nĂ€chsten Donnerstag ĂŒber den Haufen geworfen wird, bleibt mir immer noch diese erste Episode, die ich als einen der besten (und dann mit einer Stunde und zehn Minuten auch einen der kĂŒrzesten) Superheldenfilme im GedĂ€chtnis behalten werden.