Donswelt ­čĹŐ

Texth├Ąppchen ├╝ber Bildschirmunterhaltung von Torsten.

Too Old To Die Young

2019-07-01 · serie

Das jemand bei Amazon Nicolas Winding Refn die M├Âglichkeit gegeben hat, eine Serie f├╝r den gef├╝hlt seelenlosesten Streamingdienst zu drehen, gibt mir den Glauben an das letzte F├╝nkchen Gute in diesem Konzern zur├╝ck. Das Refn sich bei dieser Serie nicht einen Deut zur├╝ckh├Ąlt und offenbar genau sein Ding durchziehen darf und das auch tut, ist eine kleine Sensation.

Was der Zuschauer bekommt, ist ├╝ber zehn Stunden reinster, ungestreckter Nicolas Winding Refn Stoff, der erschreckt, ├╝berrascht, ├╝berzeugt, verwirrt und anstrengt. Der v├Âllig unvorhersehbar ist, der in jeder Szene ein optisches Kunstwerk zum an die Wand h├Ąngen ist, der mitunter das Potential zum Traumatisieren hat und der am Ende nat├╝rlich wieder stark polarisieren wird. Und wie gewohnt entt├Ąuscht, falls es doch noch Leute gibt, die sowas wie Drive erwarten.

Meine Frau, f├╝r die Refn als eine Gef├Ąhrdung unserer Ehe gilt, ist (immerhin erst) nach eineinhalb Folgen ausgestiegen. Verst├Ąndlich, denn gerade die ersten drei Stunden sind vor allem Menschen, die zum starken Soundtrack von Cliff Martinez bildh├╝bsch in Szene gesetzt sind, regungslos dastehen und in Dialogen entweder zwei Minuten brauchen, um zu antworten oder gar nicht erst reagieren. Das wird sp├Ąter nur bedingt besser, aber zahlreiche Momente erbarmungslosen Kopfkinos rei├čen einen dann zunehmend h├Ąufiger aus der Hypnose.

Too Old Too Die Young ist wie eine sehr lange Achterbahnfahrt, die extrem lange Geraden hat und bei der man nie sieht, was hinter der n├Ąchsten Kurve kommt. Das hier ist Serien-Diversit├Ąt in Reinform und f├╝r mich das Highlight des Halbjahres.