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Aragami 2

2021-09-22 · spiel

Der Aragami auf einem Dach auf der Lauer

Aragami, das Schleichspiel des spanischen Entwicklers Lince Works war damals eine kleine Überraschung. Das Tenchu nicht unähnliche Spiel hatte genug eigene Ideen um aus dem Schatten des Vorgängers herauszutreten zu können. Am Ende waren es die technischen Mängel, die dazu führten, dass ich es nie beendet habe. Jetzt ist Aragami 2 unter anderem am Tag Eins im Game Pass der Xbox erschienen und macht alles etwas anders als Teil Eins. Leider aber auch immer noch viel falsch.

Wenn ich möglichst genau beschreiben soll, wie Aragami 2 sich für mich anfühlt, wäre folgende Hypothese wohl am besten dafür geeignet: Es kommt mir vor, als hätte jemand die alten Entwickler von Tenchu 2 noch vor dessen Release eingefroren und jetzt, Jahre später, wieder aufgetaut und gesagt: „Willkommen in der Zukunft. Macht mal bitte Tenchu 2“. Das fühlt sich deswegen so passend an, weil Aragami 2 souverän alles ignoriert, was seit Tenchu im Genre optimiert wurde. Dabei finde ich es gar nicht schlecht. Vielleicht auch gerade weil es so nostalgisch anmutet.

Im fiktiven Land Rashomon hängt der Haussegen der Klans schief und Krieg steht vor der Tür. Als Mitglied der Aragami, mysteriöse Wesen, die gleich eines Ninja durchs Unterholz schleichen, liegt es an mir das zu verhindern. Oder so. Natürlich hab ich da wieder nicht richtig mitgelesen. Zu meiner Verteidigung muss ich allerdings sagen, dass die Geschichte jetzt auch nicht so geil präsentiert wird, dass mir das großen Spaß gemacht hätte. Auch hier herrscht Nostalgie, wenn ich im Hub zwischen zwei Missionen NPCs anspreche und diese zwei bis drei Zeilen Text lediglich mit Ächzen, Lachen oder artikulierter Entrüstung untermalen. Aber irgendwas mit Krieg war glaube ich.

Was bei Schleichspielen aber zählt ist auf dem Platz, beziehungsweise in der laufenden Mission. Hier wird alleine oder im Online Koop geschlichen, über kurze Distanz teleportiert und aus dem Schatten heraus assassiniert, was das Zeug hält. Und das macht mir wirklich großen Spaß. Bereits nach kurzem Einspielen bewegte ich mich flink über Dächer durch die Level und wirkte, als wüßte ich, was ich da tue. Meine präferierte Vorgehensweise, mich aus luftigen und sicheren Höhen nach unten auf Beute zu stürzen, wird von dem Spiel ebenfalls sehr gut angenommen und umgesetzt. Auch die Struktur und vor allem Topologie der Einsatzorte ist eeindruckend: Gebäude und Burganlagen fallen oft imposant hoch aus und tragen einiges zur Atmosphäre bei, wenn ich durch deren Schluchten oder auf den Dächern herumschleiche und klettere.

Wenn mir der Schleicheinsatz allerdings nicht gelingt, wird es extrem ungemütlich. Dann steht der offene Kampf im Raum. Und da stehe ich leider echt auf dem Schlauch, eine Hypothese zu finden, die schlüssig erklärt, warum hier das Kampfsystem so in die Hose gegangen ist. Ich habe keine Ahnung, wie ich das stilvoll umsetzen soll und dabei auch noch sowas wie Spaß haben könnte. Das Parieren funktioniert nur mehr schlecht als recht und bereits nach kurzer Zeit habe ich mich entschieden für solche Konflikte lieber eine Rauchbomben in der Tasche mitzuführen. Werde ich entdeckt und kann nicht schnell genug abhauen, zünde ich diese und erledige den Gegner daraufhin einfach mit einem gezielten Schlag. Alles andere macht keinen Sinn. Hasenfuß for the win!

Auf diese Weise kann ich Aragami 2 aber immerhin in bester Stealth Manier spielen. Leider wiederholen sich die zwei Handvoll Karten, in denen ich aktiv auf die Jagd gehe, jemanden entführen oder auch mal belauschen muss, ziemlich oft. Genau genommen mache ich jedesmal wieder das Gleiche. Nach über zehn Stunden Spielzeit bin ich, wenn ich mir die Achievement Liste so anschaue, anscheinend noch nicht einmal bei der Hälfte angelangt und habe jetzt schon das Gefühl, alles drei oder viermal gesehen zu haben. Dass die Diversität der Gegner dabei gefühlt an einer Hand abzuzählen ist, macht es nicht einfacher sondern bloß zäher.

Hinzu kommen die kleinen technischen Fehler, die mir gelegentlich den perfekten Knock-out oder Kill versauen, wenn ich an einem kleinen Zaun hängen bleibe, nicht um eine Ecke komme oder die Kamera einen wilden Schwenk hinlegt und ich daher nicht mehr weiß wo ich gerade bin. Hier hat sich seit Teil Eins wenig verbessert. Das üble Tearing auf meine Series S rundet den mageren technischen Eindruck ab. Immerhin läuft es relativ flüssig.

Mehr Old-school als Aragami 2 geht bei Stealth nicht. Das hat einen gewissen Reiz, dem ich aktuell noch verfallen bin. Trotz aller Macken. Mal schauen, wie lange das anhält und ob ich es noch durchspiele.