Donswelt ­čĹŐ

Texth├Ąppchen ├╝ber Bildschirmunterhaltung von Torsten.

Gungrave G.O.R.E.

2022-11-22 · spiel

Es gibt nicht viel, was ein guter Gungrave Titel braucht: Der erste Teil der Serie hat das optimal erf├╝llt: Ein Third Person Shooter mit einer Handvoll Level, in denen viel zerst├Ârt werden kann. Ein Protagonist wie ein Panzer, der den gegnerischen Kugeln nicht ausweichen muss, sondern sie einfach bis zu einem gewissen Grad absorbiert. Eine ├╝berragende Feuerkraft, die Gegner im Sekundentakt vom Bildschirm fegt. Der Grundgedanke von Gungrave war weniger das ├ťberleben, als dies mit Style zu tun: l├Ąrmendes Dauerfeuer, Hechtspr├╝nge in (optionaler) Zeitlupe und hier und dort mal einen Supermove, der mit einer sch├Ânen Animation ganze Scharen von Widersachern erledigt. Wer das Ganze mit Sternchen machen will, versucht das Beatmeter, den Komboz├Ąhler hochzuhalten, in dem zwischen zwei Angriffswellen auf Gegenst├Ąnde in der Umgebung geschossen wird. Dazu ein jazziger Soundtrack und eine zweckm├Ą├čige aber h├╝bsche Cel Shading Optik. Es war und ist ein toller Arcade Titel.

Zwanzig Jahre, einen ├╝berfl├╝ssigen zweiten Teil und ein paar VR Experimente sp├Ąter, erscheint heute Gungrave G.O.R.E. Ein Spiel, das schon im Titel die Feinf├╝hligkeit der Produktion erahnen l├Ąsst. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Dann aber doch oft auch sehr qualvoll. Es ist ein Elend.

Dabei h├Ątte es echt etwas werden k├Ânnen. Das Gunplay in G.O.R.E. f├╝hlt sich richtig gut an und das Auto Aim, das bis zu einer bestimmten Distanz funktioniert und tempor├Ąr durch Nebelgranaten der Gegner ausgeschaltet werden kann, ist direkt eine tolle und moderne Idee. Auch die Optik ist gar nicht mal so schlecht. Klar h├Ątte ich lieber wieder Cel Shading gesehen aber sowas ist heutzutage wahrscheinlich eher schwierig finanziell zu rechtfertigen. Auch explodiert wieder allerlei Kram in der Umgebung und erzeugt ein gutes Gef├╝hl brachialer Zerst├Ârung.

Leider ist brachial auch genau das, was ├╝berall sonst bei Gungrave G.O.R.E. zum Einsatz kommt. Gegner werden oft ohne Sinn und Verstand aus einem unsichtbaren Eimer aus der Luft auf den Spieler geworfen. Und das hinter jeder Ecke. Es gibt sogar ab und an schlechte Sprung Passagen und Laserschranken, ohne dass Gungrave G.O.R.E. daf├╝r ├╝berhaupt optimierte Mechaniken mitbringen w├╝rde, um so etwas halbwegs elegant meistern zu k├Ânnen. Dass Versagen in diesen Momenten dann immer den sofortigen Tod und einen Neustart vom letzten R├╝cksetzpunkt bedeutet, der nat├╝rlich gerne einmal vor einer Zwischensequenz liegt, macht die Sache nicht unbedingt ertr├Ąglicher.

Da helfen auch nicht die zig neuen Mechaniken wie ein Chargeschuss oder eine Dreierkombination, mit der Gegner, die einen Schild tragen, erst einmal von selbigem befreit werden m├╝ssen, bevor sie endg├╝ltig besiegt werden k├Ânnen. Letztere kann mit Stylepunkten f├╝r sch├Âne Aktionen zwar mehrfach ausgebaut werden, ist im Grunde aber immer der selbe Angriff, der vor allem eins macht: den Spielfluss unterbrechen. Und diese Gegner kommen einfach viel zu oft.

Dass dieses Spiel auch noch auf 31 Abschnitte gestreckt wurde (ich wiederhole: einunddrei├čig Abschnitte!), die oft die gleichen Objekte nutzen und sich auch im Gesamtstil gerne mal gleichen, stellt dann auch die gr├Â├čten Fans auf eine sehr harte Probe. Irgendwie ist alles an Gungrave G.O.R.E eine einzige Aneinanderreihung von Wiederholungen, ohne dass sich auch nur einen Hauch Level Design ausmachen l├Ąsst.

Dabei gibt es eine Handvoll Level, die wirklich Spa├č machen. H├Ątte man hier eine kleinere Auswahl getroffen und den Fokus wieder auf den Wiederspielwert gelegt, h├Ątte Gungrave zwar keine H├Âchstnoten eingefahren, sich aber gut im Mittelfeld positionieren k├Ânnen.

Besonders schlimm ist, dass viele dieser Punkte bereits im zweiten Teil Gungrave Overdose (ebenfalls ein Name, der Programm war) kritisiert wurden. Und dort gab es wenigstens noch Rocketbilly Redcadillac, der mit Gitarre und Raiden Blitzen um sich geschossen hat und eine so frische Idee war, dass man gerne ein paar Runden mit ihm gespielt hat. Egal wie schlecht der Rest war.

Ich wollte keine Verrisse mehr schreiben, bin aber ein sehr gro├čer Gungrave Fan und halte es f├╝r meine Pflicht euch mitzuteilen, dass die Brille hier ganz sch├Ân rosa sein muss, um diesem Titel etwas abgewinnen zu k├Ânnen.

Parallel zu diesem Texth├Ąppchen habe ich ├╝brigens auch mit Micha vom Insert Moin Podcast sch├Ân nerdig ├╝ber Gungrave sprechen d├╝rfen, was dann wieder sehr viel Spa├č gemacht hat.