Eine Spielfigur im Regen in einem dunklen Wald

Journey ist möglicherweise das allerbeste Spiel der Welt. Für mich ist es das und ich werde es ganz sicher auf jeder der nächsten zehn Generationen der Playstation Hardware kaufen. Das steht bereits fest. Es stimmt einfach alles: Das sandige Setting, die wortlose Narrative, die Musik, das was hängenbleibt. Einfach alles ist für mich perfekt inszeniert. Daher spiele ich es auch regelmäßig immer wieder durch. Gerade wäre wieder so eine Zeit, denn die Beta von Thatgamecompanys nächstem Titel Sky hat vor allem eins bei mir ausgelöst: Ich muss unbedingt wieder Journey spielen.

Nicht, weil Sky in der Betafassung etwa ganz, ganz schrecklich ist und ich mir die Zeiten von Journey zurückwünschen würde. Ganz und gar nicht. Sky ist bereits jetzt ein wirklich tolles Spiel mit schönen Ideen, wunderhübscher Grafik, einen gewohnt großartigen Soundtrack und wirkt im Großen und Ganzen überraschenderweise wie ein weiter ausgebautes Journey. Was kann daran also schlecht sein? Nun, Sky erscheint zeitexklusiv für iOS und tvOS, respektive auf dem iPhone, dem iPad und dem Apple TV. In keinem meiner Bücher wird dieses Dreigestirn als herausragende Spieleplattform geführt. Natürlich wird auf dem iPad und dem iPhone vor allem gespielt, aber da reden wir ja von Titeln, die kurz mal in der Bahn angemacht, beim Hiking oder auch mal auf dem Sofa gezockt werden, aber letzteres doch hauptsächlich nur, weil die Konsole besetzt ist. Und die Preise für MFI Controller haben sich dank Sony, Microsoft und zuletzt Nintendo mittlerweile zwar relativiert, weit davon entfernt ein Standard in unseren Wohnzimmern zu sein, sind sie aber dennoch.

Eine fliegende Spielfigur über den Wolken

Und weil ich keinen MFI Controller besitze und die Sky Beta zumindest nirgends erwähnt, dass sie einen unterstützen würde, spiele ich Sky am iPhone mit dem virtuellen Controller und virtuelle Controller waren noch nie gut. Im allerhöchsten Fall sind sie semi-optimal. Es stört mich ungemein, dass Thatgamecompany, ein Entwicklerteam, das bei Flower einmalig auf dieser Welt eine brauchbare Six-Axis Steuerung geschaffen hat, hier auf eine Eingabemethode setzt, die eher ein Hindernis ist. Und so lenke ich meine androgyne Figur (die den Protagonisten in Journey nicht unähnlich ist) mehr schlecht als recht mit dem linken Daumen durch eine Welt, die so schön ist, dass ich mich in jeden Zentimeter verlieben könnte, während ich mit dem rechten Daumen die Kamera bediene und stetig über die Bedienung selbiger fluche. Mit einem Controller würde sowas nicht passieren. Egal. Es ist eine Beta. Und auch, wenn sich in der finalen Version wahrscheinlich nicht mehr viel an der Steuerung für das iPhone ändern wird, bleibt Sky was es jetzt bereits ist: ein sehr interessanter Titel.

Die saftigen Wiesen von Avery, das Hub von Sky, verbinden sich über ein wunderschön anzusehendes Wolkenmeer mit den Toren zu verschiedenen Gebieten der Spielwelt. Diese erreiche ich, indem ich mich mit meiner Figur einfach von einer Klippe in die Wolken stürze und wunderbar inszeniert zu meinem Bestimmungsort fliege. Die eigentlichen Levels sind Wälder, Höhlen, Schneewelten oder Ruinen und bestehen aus mehreren Abschnitten, in denen ich laufen, rutschen oder sogar klettern (springen) muss. Haupt-Spielmechanik ist das Anzünden von Dingen mit einer Kerze. Habe ich genug Feuer gemacht, erlange ich Herzen, mit denen ich mir Animationen für meine Figur einkaufen kann. Diese Gestiken nutze ich in Sky, um mit anderen Spielern zu kommunizieren, die ich in der Welt antreffe. Thatgamecompany macht aus ihren Plänen bereits in der Beta keinen Hehl und der In-App Einkauf Knopf für Herzen ist bereits vorhanden, wenn auch noch nicht funktionstüchtig. Das wird laut.

Die Sky Spielfigur steht auf einer Turmspitze und blickt auf die darunter liegende Stadt

Rätsel, um zum Beispiel Türen zu öffnen oder Brücken erscheinen zu lassen, werden ebenfalls über das Entzünden von Feuer gelöst. Es gibt in der Beta bereits Stellen, wo ich dafür allerdings mindestens noch einen anderen Spieler an meiner Seite haben muss, um gleichzeitig etwas anzuzünden. Hinter diesen Türen und auch sonst verteilt in der Welt finde ich Geister einer vergangenen Welt, die es zu befreien gilt und die mir daraufhin die Fähigkeiten verbessern, neue Animationen verkaufen oder Optionen der Personalisierung anbieten. Andere Rätsel sind in Form von (romantisierten) Checkpoint Rennen oder Sammelaufgaben in Sky verbaut. Nur wenn ich genug Geister befreit habe (in der Beta sind das aktuell 20) kann ich am Ende im sogenannten Tresor das letzte große Tor öffnen und … keine Ahnung, was dann passiert. Ist mir noch nicht gelungen. Ich bin aber dran und nein, ich würde es euch nicht verraten.

Ebenfalls über Kerzen kann ich in der Welt von Sky kleine Nachrichten für andere Spieler hinterlassen, die dann sogar bewertet werden können. Schließe ich mit anderen Spielern Freundschaft (natürlich wieder über die Kerze), erfahre ich, wie schon bei Journey, nicht deren Namen und kann mir in diesem Fall sogar einen eigenen ausdenken und permanent vergeben, der den anderen Spielern verborgen bleibt. Diese Idee ist schlicht großartig und sorgt, je nach Originalität des vergebenem Namen für den einen oder anderen Schmunzler, wenn ich diese im Spiel wieder treffe.

Ich spiele Sky vornehmlich in der Bahn auf dem Weg ins und vom Büro, was mir für einen iPhone Titel am schlüssigsten erscheint. Auch wenn mir da selbst die 30 Minuten Fahrt viel zu kurz für eine Spielsession vorkommen und die zwingend nötige Internetverbindung mindestens einmal auf der Strecke abreißt und mir eine kurze Zwangspause verordnet. Es ist halt zumindest in der Beta einfach kein Spiel für ein Telefon. Aber da hilft jetzt auch kein Meckern mehr sondern bloß noch Hoffen, dass es nicht all zu lange dauert, bis Sky nach dem hoffentlich anstehenden Release auch auf richtigen Konsolen erscheint.