Spiele wie diese lassen mich wünschen, ich hätte SNK niemals geliebt. Klingt hart, aber alles an diesem Spiel ist zu verachten, liegen einem auch nur ansatzweise so etwas wie Werte am Herzen. Aber von vorne: Alles fing am letzten Samstagmorgen an. Meine Tochter wollte ein Prügelspiel auf der Switch haben und ich bin der letzte Vater auf dieser Welt, der seinem Kind diesen tief in der Evolution begründeten Wunsch, saftige Ohrfeigen zu verteilen, nicht erfüllen würde. Die Switch Spielewand des lokalen Videospiel Dealers unseres Vertrauens bot drei Spiele des Genres feil: irgendein Street Fighter, ein Blazblue Teil und SNK Heroines Tag Team Frenzy.

Da ich mir ziemlich sicher war, dass die Halb- und Viertelkreisbewegungen von Street Fighter und Blazblue mit den JoyCons eine zu große Hürde darstellen und meiner Tochter das potentielle neue Hobby sicherlich schnell wieder verderben würden, entschied ich mich, ob meiner Neo-Geo und SNK Vergangenheit, für den Tag Team Frenzy Titel. Auch, weil dieser mit Spezialattacken wirbt, die mit maximal einer Richtung und lediglich einer Taste ausgeführt werden können. Natürlich hätte ich Blazblue und zwei Arcade Sticks kaufen sollen, aber 45€ waren an diesem Tag genug.

Zuhause angekommen waren wir längst bereit, uns gegenseitig die Pixelbirnen weich zu kloppen. Aber schon im Auswahlbildschirm der ausnahmslos weiblichen Kämpferinnen kommt Schock auf Schock. Für 45 Euro (50€ Neupreis) gibt es bei SNK Heroines lediglich 14 Figuren und schonmal direkt die Option noch drei Kämpferinnen sowie MissX aus dem Neo-Geo Pocket Titel Gals Fighters für je 5 Euro dazu zu kaufen. 20 Euro für vier neue Spielfiguren. Alter! Und der nächste Schock folgt sogleich: Sämtliche Originalkostüme müssen erst mit der Spielwährung für siegreiche Runden freigespielt werden. Das wäre eine gute Idee, wäre der Großteil der Figuren in ihrer Standardausführung nicht halb nackt. Ein einsteigerfreundliches Beat‘em-Up, mit kinderleichter Steuerung, vermischt mit plumpen Männer-Fantasien. Meine elfjährige Tochter erkennt den Ernst der Lage hier noch nicht wirklich, weil ihr noch gar nicht bewusst ist, wie respektlos der weibliche Körper hier dargestellt wird.

Ich versuche gute Mine zum bösen Spiel zu machen und wir geben unser erstes verdientes Spielgeld nicht für Hasenöhrchen und Fuchsschwänze aus, sondern investieren es in die immer noch freizügigen, aber weitaus besseren Originalkostüme vergangener SNK Zeiten. Es ist übrigens unglaublich, dass beinahe jedes der dritten Alternativ-Kostüme zwar einerseits viel Haut verdeckt, andererseits aber auch fast immer abgrundtief hässlich ist. Respekt.

Innerlich eingeknickt spiele Ich mich mit Leona und der mir völlig unbekannten Mui Mui trotzdem ein und dank meiner in die Tage gekommener Prügelspiel-Erfahrung („WIE BLOCKT MAN DENN!?“, „Mit der linken Schultertaste, Papa! Wie peinlich!“) und der Ein-Tasten-Spezialangriff-Formel ergibt sich zwischen meiner Tochter und mir über die nächsten Runden tatsächlich so etwas wie ein ausgeglichenes Spielergebnis. Das ist aber auch das einzig Positive, das ich über dieses Spiel berichten kann.

Obwohl, das stimmt so nicht ganz. Denn obwohl SNK Heroines eine bodenlose Frechheit ist, hat es den Prügelspiel-Geist meiner Tochter geweckt. Was kann sich ein ehemals Neo-Geo versessener Vater denn eigentlich mehr wünschen? Und Geschmack hat meine Tochter offenbar auch. Sie möchte jetzt doch lieber das Blazblue haben. Ich bin schon gespannt, wieviel die Protagonisten da anhaben.